Mit dem Umbau des Berner Bahnhofs Anfang der 1970er-Jahre wurde auch die Verbindung zwischen Bahnhof und Innenstadt neu organisiert. Die 1974 eröffnete Christoffel-Unterführung sollte die Fussgängerströme von Bahnhofplatz und Bubenbergplatz aufnehmen und gleichzeitig einen neuen innerstädtischen Raum mit Läden, Café und weiteren Dienstleistungen schaffen. Architekt der Anlage war Alois Egger BSA/SIA, Bern.
Während der Bauarbeiten kamen überraschend gut erhaltene Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung zum Vorschein. Entdeckt wurden Reste der Stadtmauer, der Grabenränder, Rundtürme und der ehemaligen Grabenbrücke beim Christoffelturm. Dieser hatte einst den westlichen Hauptzugang zur Stadt gebildet, war jedoch 1864 nach einer äusserst knappen Abstimmung, mit 415 gegen 411 Stimmen, abgebrochen worden.
Die historischen Funde wurden bewusst in die neue Unterführung integriert. Erhaltene Mauerstücke blieben sichtbar, während der Verlauf abgebrochener Mauern im Bodenbelag nachgezeichnet wurde. Eine Dokumentationswand erläuterte zudem die Entwicklung der Berner Stadtbefestigung. So entstand ein spannender Kontrast zwischen mittelalterlichem Mauerwerk, moderner Tragkonstruktion und den damaligen Ladenfronten.
Die heutige Bahnhofunterführung ist damit weit mehr als eine Verkehrsverbindung. Unter dem Bahnhofplatz begegnen sich bis heute verschiedene Schichten der Berner Stadtgeschichte, vom mittelalterlichen Stadttor über den Bahnhofausbau des 20. Jahrhunderts bis zur heutigen Nutzung.





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